Angriffe auf Lieferketten: Ein wachsendes Risiko
Die jüngsten Vorfälle zeigen, dass Angriffe auf Lieferketten keine Ausnahme mehr sind. Der berüchtigte SolarWinds-Hack verdeutlichte, wie Angreifer über Schwachstellen bei Drittanbietern in die Systeme hunderter Unternehmen eindringen konnten, darunter auch große Konzerne und staatliche Organisationen.
Warum sind Lieferketten so attraktiv für Cyberkriminelle?
- Gemeinsame Zugangspunkte: Unternehmen teilen häufig Zugänge zu Netzwerken, Anwendungen oder Daten mit ihren Partnern. Eine Schwachstelle bei einem Zulieferer kann damit auch das Hauptunternehmen gefährden.
- Geringere Sicherheitsstandards: Nicht alle Partner oder Drittanbieter haben die gleichen hohen Sicherheitsstandards wie größere Unternehmen. Angreifer suchen gezielt nach den schwächsten Gliedern in der Kette.
- Komplexität der Netzwerke: Die Vielzahl an Partnern und die verzweigten Verbindungen machen es schwer, alle potenziellen Einfallstore zu sichern.
Beispiele für Angriffe über die Lieferkette
- SolarWinds: Angreifer manipulierten ein Update der Netzwerkmanagement-Software, wodurch tausende Unternehmen infiziert wurden. Dies war einer der komplexesten Angriffe auf eine Lieferkette.
- Target (2013): Cyberkriminelle infiltrierten den Einzelhandelsriesen über einen kleinen Zulieferer für Heizungs-, Lüftungs- und Klimasysteme. Die Folgen waren Datenverluste bei Millionen von Kunden.
- NotPetya (2017): Über ein Software-Update eines Steuerprogramms verbreitete sich die Schadsoftware weltweit und richtete Milliardenverluste an.
Maßnahmen für eine sichere Lieferkette
Die Absicherung der Lieferkette erfordert eine Kombination aus technischen Maßnahmen, vertraglichen Regelungen und einer Sicherheitskultur, die bis zu den Partnern reicht. Hier sind die wichtigsten Ansätze:
1. Transparenz in der Lieferkette schaffen
Ein klarer Überblick über alle Partner, Zulieferer und Drittanbieter ist der erste Schritt. Unternehmen sollten regelmäßig überprüfen, welche Zugriffsrechte Dritte auf ihre Systeme haben und welche potenziellen Risiken bestehen.
2. Sicherheitsstandards definieren
Verträge mit Partnern sollten klare Mindeststandards für IT-Sicherheit enthalten. Dazu gehören regelmäßige Updates, die Nutzung starker Passwörter und die Einführung von Mehrfaktor-Authentifizierung.
3. Regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen
Lieferanten und Partner sollten regelmäßig auf Sicherheitslücken geprüft werden. Hierzu können Audits oder Zertifizierungen wie ISO 27001 genutzt werden, um sicherzustellen, dass sie den notwendigen Standards entsprechen.
4. Segmentierung der Netzwerke
Drittanbieter sollten nicht uneingeschränkten Zugang zum Unternehmensnetzwerk haben. Durch Netzwerksegmentierung wird sichergestellt, dass ein Angriff auf einen Partner nicht automatisch das gesamte Netzwerk gefährdet.
5. Incident-Response-Pläne für die Lieferkette
Ein detaillierter Plan für den Ernstfall sollte auch Angriffe auf die Lieferkette berücksichtigen. Unternehmen müssen vorbereitet sein, schnell auf Vorfälle zu reagieren und dabei auch ihre Partner einzubeziehen.
6. Kontinuierliche Schulung
Mitarbeiter und Partner sollten regelmäßig über die Risiken von Angriffen auf die Lieferkette informiert werden. Sicherheitsbewusstsein kann potenzielle Schwachstellen frühzeitig identifizieren.
Fazit: Die Lieferkette als Bestandteil der Cybersicherheitsstrategie
Angriffe auf Lieferketten werden weiter zunehmen, da sie Angreifern oft eine einfachere und effektivere Methode bieten, Netzwerke zu infiltrieren. Unternehmen können sich schützen, indem sie die Cybersicherheit ihrer Lieferkette genauso ernst nehmen wie die Absicherung ihrer internen Systeme. Transparenz, klare Sicherheitsstandards und eine enge Zusammenarbeit mit Partnern sind dabei essenziell.
Die Herausforderung besteht darin, dass Cybersicherheit in der Lieferkette nicht als einzelner Punkt behandelt werden kann – sie muss integraler Bestandteil der gesamten Sicherheitsstrategie sein. Mit einem ganzheitlichen Ansatz und der richtigen Vorbereitung können Unternehmen das Risiko minimieren und gleichzeitig die Effizienz und Zusammenarbeit in der Lieferkette aufrechterhalten.